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Mein gruseligstes Grauen

Von Michael aus Bremen

Vor einem Jahr war ich bei meinem Freund zu Besuch und wollte abends mit dem Bus nach Hause, denn ich wohne zwei Kilometer weit von meinem besten Freund entfernt. Es war dunkel und nebelig, als ich zur Bushaltestelle lief, und ich muss zugeben, ich habe ja ein bisschen Angst im Dunkeln. Nach fünf Minuten war ich an der Bushaltestelle angekommen und der Bus sollte auch gleich da sein. Also wartete ich, fühlte mich aber nicht sonderlich wohl. Es war dunkel, nebelig und kalt und der Bus kam nicht – ein „toller Abend“.

Der Nebel wurde immer dichter und es wurde irgendwie seltsam ruhig. Oder bildete ich mir das nur ein? Jedenfalls wollte ich nur noch eins: einfach nur nach Hause. Es war niemand zu sehen. Kein Bus, kein Mensch und das mit dem ein bisschen Angst im Dunkeln war auch ein wenig untertrieben. Also dachte ich nach, was mache ich jetzt? Warten bis irgendwann ein Bus kommt und ich mir vor Angst in die Hosen gemacht habe oder nach Hause laufen, durch die Dunkelheit und den Nebel. Ich beschloss, noch 10 Minuten zu warten. Und da fing plötzlich das kleine Licht in der Bushaltestelle an zu flackern und ging aus! Das war zuviel – also lief ich los.

Irgendwer hat mal gesagt, singen hilft, wenn man Angst hat. Das stimmt nicht (oder ich singe einfach zu schlecht). Plötzlich hörte ich Schritte hinter mir, meine Nackenhaare stellten sich auf und ich erschreckte mich fast zu Tode. Ich überlegte, ob ich mich umdrehen sollte - oder sollte ich rennen oder mich besser verstecken? Keine Ahnung. Mutig wie ich war ;-), drehte ich mich dann doch um und plötzlich waren die Schritte weg! Also entweder war mein Verfolger stehen geblieben oder losgeflogen, um mich in wenigen Minuten aus der Luft anzugreifen und mir mein Blut auszusaugen. Vielleicht sollte ich doch nicht soviel Fernsehen!

Ich starrte in die Dunkelheit und plötzlich sah ich ihn. Im Schein einer Straßenlaterne hockte eine schwarze Gestalt. Mein Blut gefror und ich konnte mich nicht mehr bewegen. Plötzlich stand mein Verfolger auf und bewegte sich direkt auf mich zu. Was blieb mir anderes übrig, wenn ich nicht gefressen werden wollte, musste ich jetzt wohl rennen. Also nahm ich die Beine in die Hand und rannte los. Dann blieb ich kurz stehen – auch die Schritte waren schneller geworden und wurden lauter und lauter. Also begann ich zu rennen, als wäre der Teufel hinter mir her und vielleicht war er es ja auch. Ich rannte schneller und schneller. Nur noch um die nächste Ecke, dann waren es nur noch 100 Meter bis nach Hause und die Schritte waren immer noch da. Von Angst kann man jetzt gar nicht mehr sprechen, ich hatte die Hosen gestrichen voll und rannte – endlich durch die Gartentür, fast in Sicherheit.

Als ich vor der Haustür angekommen war, suchte ich den Schlüssel. Aber wo hatte ich ihn hingepackt? In der Hosentasche war er nicht. In der Hosentasche war irgendwie gar nichts mehr – kein Schlüssel und mein Geldbeutel war auch weg, na toll. Also blieb mir nichts anderes übrig, als den Ersatzschlüssel zu suchen, den wir im Loch eines kleinen Baumes im Vorgarten versteckt hatten. Kurz hatte ich die Schritte vergessen – und als sie mir wieder einfielen, waren die Schritte schon verdammt nah! Ich rannte zum Baum, steckte die Hand in das Astloch und bekam die Plastiktüte zu fassen, in die der Schlüssel eingewickelt war - aber irgendwie hing sie fest! Auch das noch, dachte ich. Plötzlich hörte ich eine tiefe Stimme, die ich noch nie vorher gehört hatte: „Michael? Michael Richter?“. Hilfe, woher kannte diese Stimme meinen Namen? Ist das die Stimme zu den Schritten? Ich kauerte mich zusammen und plötzlich war alles still. Keine Schritte, keine Stimme mehr - nur noch das Knarren der Gartentür, was die Sache jetzt nicht unbedingt besser machte.

Ich versteckte mich hinter dem Baum und sah die Gestalt auf die Haustür zugehen. Ein dunkel gekleideter Mann, ein riesiger Kerl (wahrscheinlich von Beruf Kinderfresser) und eine komische Mütze hatte er auch auf und Stiefel. Mehr konnte ich aus meinem Versteck nicht erkennen. Er klingelte – nichts passierte. Wie auch? Meine Eltern waren heute Abend nicht zu Hause – sonst hätte ich mit Sicherheit auch geklingelt.

Er drehte sich um, genau in meine Richtung. Und da war sie wieder, die Stimme: „Michael? Michael Richter? – Bist du irgendwo hier?“ Ja sicher bin ich irgendwo hier – aber ich bin doch nicht so blöde, dir zu sagen, wo! Plötzlich ging ein Licht in seiner Hand an und er begann den Garten mit einer Taschenlampe abzuleuchten. So. Jetzt ist alles vorbei, dachte ich – du bist verloren. Irgendwann wird er schon darauf kommen, dass ich mich hinter dem Baum befinde. Es war ja schließlich der Einzige in unserem Vorgarten.

Dann geschah etwas Seltsames. Er leuchtete auf den Baum. Das war es dann wohl, dachte ich mir, denn so blöd kann er ja nicht sein. Doch anstatt auf mich zu, ging er langsam zurück zur Haustür. Kramte in seinen Taschen und legte etwas auf die Stufe bei der Haustür. Dann nahm er seine Taschenlampe und legte sie auf den Fenstersims neben der Haustür. Jetzt leuchtete die Lampe meinen Verfolger direkt an und er fing an zu lachen. Es war ein freundliches Lachen, also traute ich mich genauer hinzuschauen. Vor meiner Haustür stand ein großer Polizist. Ein großer, lachender Polizist, und dann war da wieder die Stimme – seine Stimme. „Hallo Michael, du brauchst keine Angst zu haben, ich war gerade auf dem Nachhauseweg und da habe ich plötzlich ein Geräusch gehört. Es klang, als hätte jemand etwas verloren und dann habe ich einen Geldbeutel und einen Schlüssel unter einer Straßenlaterne gefunden und aufgehoben - und dich wegrennen sehen. Also habe ich im Geldbeutel nachgeschaut und den Zettel mit der Notfalladresse gefunden. Und jetzt habe ich dir beides hier auf die Stufe gelegt, ich wünsche dir noch einen schönen Abend.“

Dann drehte er sich um und ging lachend und pfeifend aus der Gartentür und die Schritte waren schon bald verschwunden. Mannomann, der Stein, der mir da vom Herzen fiel, plumpste so laut, dass er wahrscheinlich in der ganzen Stadt zu hören war. Gott sei Dank hatte ich meinen Schlüssel und meinen Geldbeutel nun wieder und konnte ganz einfach die Tür aufschließen. Auf den Schreck musste ich dann erstmal einen Kakao trinken!

Eigentlich war ja alles ganz harmlos - aber Angst im Dunkeln hab ich immer noch...