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Das Interview mit Christoph Maria Herbst

'Hui Buh - das Schlossgespenst' wurde von Eberhard Alexander Burgh erfunden und erschien in den 70er Jahren als Hörspielserie. Bis heute sind diese Klassiker beliebt bei Erwachsenen, die mit diesen Hörspielen aufgewachsen sind und bei ihren Kindern, an die sie ihre Liebe für das skurrile Gespenst weitergegeben haben. Kennen Sie die original Hui Buh - Hörspielserie und was verbinden Sie damit?
Von EUROPA kenne ich fast alle Langspielplatten, die damals ja noch auf Vinyl waren. Doch von Hui Buh ist mir nur das Cover bekannt. Denn das Skelett mit Feder-Boa darauf hat mich zugleich angezogen und abgeschreckt. Der Name Hans Clarin war mir damals schon längst bekannt, aber ich habe mich nicht getraut, in die Schallplatte reinzuhören. Ich kannte die Hui Buh Reihe also nicht wirklich. Umso größer ist die Freude, für die Hui Buh Version des 3. Jahrtausends quasi Pate sein zu dürfen.


2006 wurde Hui Buh mit dem Kinofilm in eine neue Welt transferiert. Die von E.A. Burgh vor 30 Jahren erfundene Geschichte wurde in des 21. Jahrhundert übersetzt. Auch Hui Buh bekam ein ganz anders und modernes Aussehen. Im Film haben Sie den König Julius gespielt. Wie hat Ihnen die Rolle als König Julius gefallen?
Die Dreharbeiten zu dem Film haben unsagbar viel Spaß gemacht. Wenn man sich den Film ansieht, merkt man sicher, wie liebevoll alle Beteiligten vor und hinter der Kamera gearbeitet haben. Daher war es eine wahre Freude, so eine große, charmante Rolle wie den König Julius spielen zu dürfen, der für mich eine besondere Herausforderung war. Denn momentan assoziieren die meisten mich sicher mit diesem Büro-Soziallegastheniker Stromberg. Und dann jemanden zu spielen, der immer nur nett ist und mit seinem wallenden Haupthaar fast schon an Johnny Depp erinnert, macht besondere Freude.
Es ist irgendwie aber auch eine Herausforderung, obwohl die Figur letztlich ja relativ eindimensional ist, weil man nie den Grad zwischen Würde und diesem Comic-Relief verlassen darf, den die Figur hat. Julius nur als klischeehaften König, d.h. nur die pure Würde, den puren Stolz zu spielen, wäre gerade für Kinder sehr langweilig. Ihn aber veralbert, klamaukig zu spielen, wäre für die Erwachsenen wiederum zu langweilig oder zu albern. Da wir mit dem Film schon versucht haben, Family Entertainment zu machen, wie man heute so schön sagt, war uns die Mischung aus beiden Komponenten das Wichtigste. Und das haben wir bei den Hörspielen auch wieder so umgesetzt.


Auch als Hörspielheld erhält Hui Buh nun Einzug in eine neue, fantastische Welt.
Warum spielen Sie nun auch im Hörspiel den König Julius?
EUROPA hat mich angesprochen und ich hatte einfach Lust, nach dem erfolgreichen Kinofilm auch beim Medium Hörspiel mitzuwirken. Es wurde sehr liebevoll auf die früheren Hörspiele geschaut, mit der Absicht, diese noch einmal in einem neuem Gewand aufleben zu lassen. Meiner Meinung nach ist es EUROPA sehr gut gelungen, denn die neuen Bücher schöpfen noch aus dem Geiste der alten Hui Buh Folgen, kommen aber trotzdem sehr unverstaubt und erfrischt daher. Da musste ich gar nicht lange nachdenken, ob ich das machen soll. Und ich wollte vermeiden, dass es jemand anders macht.


Bitte stellen Sie uns Ihre Rolle einmal vor. Wie würden Sie König Julius beschreiben?
König Julius ist eigentlich ein König wie du und ich (lacht). Er ist ein Kosmopolit, viel und weit gereist und überall herum gekommen. Jetzt hat er die Lust und die Muße gefunden, sich niederzulassen, um Wurzeln zu schlagen und vielleicht auch eine Familie zu gründen. Da kommt ihm das Schloss Burgeck sehr gelegen, denn es gehört zum Erbe seiner Familie und steht zufällig leer. Aber so ganz leer ist es ja doch nicht, denn da sind der Kastellan und vor allem Hui Buh, die dort ihr Unwesen treiben. Der König sieht sich mit dieser außergewöhnlichen Situation konfrontiert und genau dieses Spannungsverhältnis zwischen dem König, der Ruhe in sein Leben bringen möchte und Hui Buh, der nichts anderes als Schabernack im Kopf hat, ist Ausgangssituation für viele lustige Geschichten, von denen EUROPA und vielleicht auch das Kino noch viele weitere erzählen werden.


Zurück zu Ihrer Person als Schauspieler von König Julius im Film und im Hörspiel. Beides sind sehr unterschiedliche Medien. Worin liegt für Sie als Schauspieler der Unterschied, die gleiche Rolle einmal im Film zu spielen und einmal im Hörspiel?

Der erste Unterschied liegt auf der Hand: in der Sprecherkabine bin ich nicht geschminkt – zumindest nicht mehr als sonst privat (lacht). So wie ich gerade herum laufe, hätte ich den Julius gar nicht spielen können. Bevor ein Drehtag für mich begann, musste ich jeden Morgen erst einmal anderthalb Stunden in der Maske sitzen. Da ist die Arbeit für ein Hörspiel natürlich entspannter – denkt man. Wenn man dann aber alleine in einer kleinen, stickigen Kammer sitzt und durch die Scheibe guckt, dann sitzen dahinter ganz verschiedene Herrschaften, die man nicht wirklich kennt. Und die tun dann so, als seien sie einem alle wohl gesonnen, fordern dir dann aber – natürlich völlig zurecht – 100 Prozent ab, wollen authentische Töne und wirklich Lustiges und ernst Gemeintes. Spätestens dann merkt man, dass das Hörspiel ein hoch unterschätztes Medium ist. Man muss sich unglaublich konzentrieren, weil man alles, was man vor der Kamera mit Gestik und Mimik ausdrücken kann, jetzt in seine Stimme packen muss, um die Welt, die man erzählen möchte, transparent werden zu lassen. Das ist eine große Herausforderung, der wir uns aber alle sehr gut gestellt haben. Das liegt zum Großteil aber auch daran, dass im Hörspiel-Bereich wohl keiner mehr Erfahrung hat als EUROPA, die zudem noch, was Geräusche, Musik und die atmosphärische Untermalung betrifft, tief in die Trickkisten greifen können und etwas großartiges daraus zaubern. Nimmt man das alles zusammen – ein hoch motiviertes Ensemble und ein Label, wo Hörspiele wie Hui Buh vollkommen zu Recht hingehören – ergibt das am Ende eine äußerst runde Sache.


Mit Ihrem Mitwirken bei Hui Buh oder auch in dem Film „Hände weg von Mississippi“ haben Sie jüngst einige Projekte im Bereich Kinder-Entertainment verwirklicht. Interessieren Sie sich auch weiterhin für Kinderthemen? Welchen Unterschied macht es für Sie, ob Sie Erwachsene oder Kinder unterhalten?

Ich glaube, der Unterschied ist gar nicht so groß. Vor 13 oder 14 Jahren habe ich noch am Kindertheater gespielt, wo man natürlich die unmittelbarsten Erfahrungen mit den Kindern macht. Man hat den sofortigen Abgleich mit dem Publikum, und Kinder gehören zu den ehrlichsten Zuschauern, die man haben kann. Wenn denen etwas nicht gefällt, dann buhen sie einen aus. Manchmal werfen sie auch schon mal mit Chips oder Popkorn, oder was gerade da ist, aber sie laufen nicht erbost raus und knallen mit den Türen, wie so mancher Abonnent. Kinder gucken sich ein Stück bis zum Ende an und halten dann mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg – das ist immer sehr angenehm. Und Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, deswegen muss man für Kinder ein ganz eigenes Theater und auch eine ganz eigene Filmsprache entwickeln.
Detlev Buck ist das mit „Hände weg von Mississippi“ sehr gelungen, weil er die Kinder eben nicht veralbert und einfach eine wunderbare, schöne alte Welt erzählt und das - nur mal im Nebensatz – ohne einen einzigen digitalen Effekt. Gleiches ist der Firma Rat Pack und dem Sebastian Niemann als Regisseur von „Hui Buh das Schlossgespenst“ mit seinen Mitteln auch ganz wunderbar gelungen. Das ist ein Familienfilm, der sowohl Erwachsene als auch Kinder gleichermaßen bedient.
Wenn man Kinder unterhalten will, muss man den Schalk im Nacken vielleicht noch ein bisschen verstärken, die Figuren aber genauso ernst nehmen, als spiele man ausschließlich für Erwachsene. Kinder merken schon, ob man etwas veralbert oder wirklich hinter dem steht, was man da macht. Stichwort Authentizität. Was die Zukunft so bringt, kann ich im Moment gar nicht weiter beurteilen. Ich freue mich sehr, wenn es einen zweiten Hui Buh – Teil gibt, der ja durchaus im Gespräch ist. Die Aufnahmen für die ersten drei Hörspiele von Hui Buh haben auch ungemein viel Spaß gemacht, und ich hoffe, dass es eine lang bestehende Reihe wird, denn für weitere Hörspiele stehe ich liebend gern zu Verfügung – wenn man mich weiter dafür haben möchte (schmunzelt).

Christoph Maria Herbst
Christoph Maria Herbst