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Das Interview mit Stefan Krause (Sprecher Hui Buh)

"Die Rolle haben wir zusammen erarbeitet. Das ist das Schöne daran! Man muss sich in verschiedenen Richtungen einfach einpegeln, also von der Stimme her nicht zu hoch sein, nicht zu tief, nicht zu schrill."
Kennen Sie die klassischen Hui Buh-Hörspiele?

Ganz ehrlich, nein. Oder im Vorübergehen. Zu der Zeit, als die brandaktuell waren – ich gehöre nicht zur Generation „Hui Buh“ – habe ich irgendwelche anderen Dinge gemacht. Ich habe das Hörspiel damals gesehen, wusste aber gar nicht, dass es so super kultig ist.


Bereuen Sie ein wenig, Hui Buh als Kind nicht gehört zu haben, nachdem Sie jetzt den Hui Buh in den neuen Hörspielen sprechen?

Ja eigentlich schon, aber so konnte ich die Rolle jetzt ganz neu für mich entdecken. Und ich habe gar nicht das Problem gehabt, irgendetwas nachmachen zu wollen. Außer, dass ich wusste, Hans Clarin ist ganz ‚far out’ – da muss man einfach versuchen, etwas Eigenes zu machen. Ich habe nicht probiert, seine Stimme vorher zu studieren oder nachzumachen, sondern einfach bei der Produktion versucht, meinen eigenen Hui Buh im Sinne des Erfinders zu gestalten und zu entwickeln.


Hat Ihnen die Regie „reingeredet“, wie Sie den Hui Buh sprechen sollen?

Nein, reingeredet nicht. Die Rolle haben wir zusammen erarbeitet. Das ist das Schöne daran! Man muss sich in verschiedenen Richtungen einfach einpegeln, also von der Stimme her nicht zu hoch sein, nicht zu tief, nicht zu schrill. Es gibt ja immer Grenzen, wo man einmal drüber geht; dass man sagt, das geht dann sehr in die Höhe oder wenn er sehr viel Angst hat oder so etwas, dann wird das extrem schrill, aber nicht dass man die ganze Zeit immer völlig unter Strom steht , sondern dass man auch manchmal ganz vernünftig spricht – als Geist trotzdem menschlich und ein Freund ist von den Kindern und nicht immer das durchgeknallte Schlossgespenst. In der ganzen Suche findet man dann auch seine Stimmlage. Da kann man viel Quatsch machen und viel ausprobieren!


Liegt Ihnen das Albernsein?

Ich bin sehr gern albern – nach dem Motto „seriös sein kann ich später“. Mir gefallen natürlich immer sehr komödiantische Rollen. Wo man dem Affen Zucker geben kann und mal aufdrehen und mal verrückte Sachen ausprobieren darf. Wie eben zu singen und zu schreien. Aber auch verschiedene schöne Chargen zu spielen – ‚ich bin jetzt furchtbar beleidigt’ oder ‚ich bin jetzt tief gekränkt’ oder ‚ich bin jetzt ganz ganz traurig’ – wobei ja manchmal Hui Buh wirklich auch traurig ist – aber manchmal spielt er auch so wunderschön die beleidigte Leberwurst oder er spielt den großen missverstandenen Künstler und so. Das sind einfach alles Farben von Hui Buh, die ich gern mache. Das macht irre Spaß.


In Synchronisationen sprechen Sie ebenfalls recht häufig schräge Typen, wie z.B. den Schriftsteller „Truman Capote“ in dem nach ihm benannten Film „Capote“, für den Sie sogar den Synchronpreis im letzten Jahr bekommen haben.
Was war das Besondere an der Synchronisation von „Capote“ im Vergleich zu Ihrer Hörspielrolle als Hui Buh?


Also, der Capote … Synchron bedeutet erst mal, dass man ein Original hat, und was der Schauspieler Philip Seymour Hoffman gemacht hat, war einfach ganz grandios. Er hat den Capote Monate lang studiert, die Stimme und den Ausdruck und ich habe versucht, eben weil ich Schauspieler bin und kein Stimmenimitator, da etwas Eigenes zu finden. Und da ging es auch darum letztendlich – wie ich vorher gesagt habe – als wir über Farben der Komödie/ des Komödiantischen besprochen haben – da sind es einfach ganz ruhige Töne.

Ungeheuer interessant ist dabei auch, dass ein Mensch, der eben verschiedene Leute interviewt – darum geht es in diesem Film – mit jedem anders redet und extrem manipulativ ist. Er redet mit jedem so, als sei er sein bester Freund und stellt sich so auf ihn ein. Deshalb musste ich auch in dieser Rolle ganz viele Farben und Seiten zeigen: Mal ganz tough oder ganz verständnisvoll, mal wie ein junger Mann oder wie ein sehr alter Mann. Das stimmlich auszudrücken, war wirklich schwierig. Dass ich den Preis bekommen habe, hat mich besonders gefreut. Trotz allem ist es ein sehr schwieriger Film, eigentlich gar nicht lustig, aber es geht um die verschiedenen Facetten. Es gibt eben auch die Facetten des Ernsthaften so wie es Facetten gibt des Komödiantischen.


Fühlen Sie sich zu sehr auf lustige Rollen festgelegt?

Eher komödiantische Rollen. Es freut mich natürlich, wenn jemand sagt ‚das muss Stefan Krause machen’, ich dann sage ‚für einen Take komme ich irgendwo hin’ und dann sagt jemand ‚der Typ ist so voll bekloppt, den musst du unbedingt sprechen’. Andere wären dann vielleicht beleidigt oder so, für mich ist das allerdings eher ein Kompliment.

Bei der Laudatio für den Synchronpreis hat eine Kollegin etwas sehr Nettes gesagt, wo ich mich sehr wiedergefunden habe. Sie sagte‚ wenn Stefan Krause ins Atelier kommt, dann kommt zuerst Stefan Krause ins Atelier und dann ist er irgendjemand anders, irgendeine verrückte Rolle und dann geht er wieder und dann ist er wieder Stefan Krause und sagt ‚Auf Wiedersehen’. Insofern mag ich es gern, jemand anders zu sein. Ich verstelle nicht meine Stimme, aber bin dann ein anderer Typ. Das kann eine verrückte Comic-Figur sein oder auch ein fieser Staatsanwalt oder irgendwas. Am liebsten ist es mir, wenn ich nicht mich selbst spiele. Ich bin gern ich selbst im normalen Leben, aber auf der Arbeit schlüpfe ich gern in verschiedene Rolle. Und am liebsten natürlich schon in komische, alberne und komödiantische Rollen.


Sie spielen in verschiedenen Bands. Hilft Ihnen Ihre Musikalität bei Ihrer Arbeit?

Sich mit Musik zu beschäftigen hilft auf alle Fälle für die Schauspielerei. Man muss nicht ein Instrument spielen, sondern es geht um eine Musikalität. Die hat auch nicht nur mit Songs zu tun oder dem Hui Buh Lied oder dass man versucht, den Hui Buh Schrei oder so etwas zu modulieren und mal zu säuseln. Aber es hilft natürlich ein bisschen. Musikalität hilft, dass man auch etwas abnehmen kann. Wenn jemand sagt ‚du musst es so und so machen’, muss man lauschen, auf sich selber und auf das, was andere einem sagt. Und da ist eine Musikalität für die Arbeit ganz wichtig - und bei dieser Sache ganz sicherlich.


Welche Instrumente beherrschen Sie?

Ich spiele … Was spiele ich denn? … Ich spiele Schlagzeug und Vibraphon und Klavier, Keyboard. Und dann singe ich – also ich habe Musikpädagogik studiert und Gesangsunterricht gehabt. Das hilft schon und ich versuche neben der Arbeit diese verschiedenen Instrumente zu spielen. Ich habe sogar jetzt auch noch in etwas fortgeschrittenem Alter wieder Unterricht und lerne Vibraphon spielen. Lebenslanges Lernen ist ja sehr angesagt und insofern finde ich es nicht schlecht, in einer Musikschule mit jüngeren Leuten weiter zu lernen. Das macht großen Spaß.


Können Sie noch einmal den Hui Buh-Schrei für uns machen?

- Lachen und Nachfragen im Off
- macht Hui Buh-Schrei (zweimal)