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Das Sumpfmonster

Von Lea Sofie aus Berlin

Lilly lebte mit ihrer Familie in einem kleinen Dorf am Rande eines Sumpfes. Die Leute erzählten sich, dass im Sumpf ein schreckliches Ungeheuer hausen würde, das am liebsten kleine zarte Mädchen fraß. Aber das glaubte Lilly nicht. Ihr Lieblingsplatz war der schmale morsche Steg, der in den Sumpf ragte. Dort hielt sie sich gerne auf, wenn sie von den Kindern im Dorf gehänselt wurde. Sie trug nämlich eine Brille mit dicken Gläsern, eine hässliche Zahnspange und altmodische Kleider. Lilly war sehr unglücklich darüber, dass niemand sie mochte.

Eines Tages, als sie mal wieder verspottet wurde, zog sie sich traurig auf ihren Steg zurück. Hier fühlte sie sich sicher, weil sich kein anderes Kind in die Nähe des Sumpfes wagte. Dicke Tränen kullerten ihr über die Wangen in das schwarze Moor. Vor lauter Traurigkeit bemerkte sie nicht, dass sie schon eine Weile beobachtet wurde. Plötzlich blubberte und brodelte es aus der Tiefe des Sumpfes und grünlich-schwarze Blasen zeigten sich auf der Oberfläche. Dies hatte Lilly noch nie erlebt und nun begann sie sich doch ein wenig zu gruseln.

Was war das nur? Gab es vielleicht doch ein Sumpfmonster? Lilly bekam Gänsehaut, weiche Knie und ihr Herz rutschte fast in ihr altmodisches Kleid. Doch dann siegte ihre Neugierde und sie warf ihre Angst davon. Genau in diesem Augenblick nahm sie zwei unheimlich große gelbe Augen unter fleischigen Wülsten wahr, die sie aus der Mitte des Sumpfes anstarrten. Gleichzeitig waberte ein gelblicher Nebel über den Sumpf und es roch nach Schwefel und Stinkmorcheln. Die Sonne verzog sich hinter den Wolken und Lilly begann zu frösteln. Sie wollte wegrennen, doch es ging nicht. Eine riesige schleimige Pranke mit messerscharfen Krallen hielt sie fest. Lilly wollte schreien, doch ihre Kehle war wie zugeschnürt. Voller Entsetzen glaubte sie, ihr letztes Stündlein habe geschlagen.

Aber da löste sich die Pranke von ihr und aus dem Sumpf tauchte eine riesige Gestalt. Sie sah schaurig aus. Ihr zottig behaarter Rücken war bedeckt mit hässlichen Warzen und gezackten Höckern. Aus dem Maul ragten spitze faulige Zähne und aus den breiten Nüstern floss eklig grünlicher Schleim. Auf ihrem Körper krochen grässliche Seespinnen, Teufelskrabben und Sumpfschlammschnecken. Es war zum Fürchten. Das Sumpfmonster gab es tatsächlich!

Lilly konnte sich vor Schreck nicht von der Stelle rühren. Da begann das Monster mit rauer Stimme zu sprechen: „Hab’ keine Angst! Ich tu’ dir nichts!“ Lilly stammelte: ,,Ich ... ich wusste gar nicht, dass es dich ... dich wirklich gibt!“ Das Ungeheuer stieg aus dem Sumpf und setzte sich vorsichtig neben Lilly. „Weißt du, kleines Mädchen, ich lebe hier schon 298 Jahre und es war für mich bisher ganz sicher nicht vergnüglich“, sagte das Sumpfmonster traurig. Dann fuhr es fort: „Ich bin schon so lange allein und ich fühle mich sehr einsam.“ Lilly wusste ganz genau, wovon es sprach. Sie sagte: „Wenn du willst, liebes Sumpfmonster, können wir Freunde sein! Was hältst du von dieser Idee?“ Das Sumpfmonster nickte begeistert und sah plötzlich gar nicht mehr so hässlich und gruselig aus.

Von nun an trafen sich die beiden fast täglich am Ufer des Sumpfes und erzählten sich stundenlang Geschichten. Ihr Geheimnis behielten sie bis ans Ende ihrer Tage für sich.